Großbritannien

Ibstock reicht Gaspreisschock an Kunden weiter

Der britische Ziegelhersteller Ibstock hat nach dem Gasschock seine Preismacht demonstriert. Das Traditionsunternehmen aus Leicestershire hatte seinen Energiebedarf gegen Preisschwankungen abgesichert.

Ibstock reicht Gaspreisschock an Kunden weiter

hip London

 – Wenn ein britisches Unternehmen von den rasant steigenden Energiepreisen getroffen worden ist, dann Ibstock. Die Gruppe ist der Ziegelhersteller mit den größten Produktionskapazitäten im Vereinigten Königreich und befeuert ihre Brennöfen mit Gas. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine ist die Preisentwicklung unberechenbar geworden. 2021 kostete es dem Broker Peel Hunt zufolge im Schnitt 109 Pence pro Therm, bis Mitte März dieses Jahres waren es 229 Pence.

Die Maßeinheit Therm entspricht 2,83 Kubikmeter oder 100 000 BTU (British Thermal Units). Eine BTU wird benötigt, um die Temperatur von einem Pfund Wasser um ein Grad Fahrenheit zu erhöhen. Am Spotmarkt wurden zeitweise mehr als 500 Pence pro Therm verlangt.

Im Mai drückten große Flüssiggasimporte den Gaspreis in Großbritannien drastisch nach unten. Ungeachtet der Kapriolen an den Energiemärkten gibt sich Ibstock aus der gleichnamigen Stadt im mittelenglischen Leicestershire zuversichtlich. Auf der Hauptversammlung im April teilte der Board mit, dass die Performance im laufenden Jahr moderat über den bisherigen Erwartungen liegen wird, und kündigte einen Aktienrückkauf im Volumen von 30 Mill. Pfund an.

„Wir haben 2022, unterstützt von der robusten Nachfrage auf unseren Endmärkten und von einer dynamischen geschäftlichen Herangehensweise an das Management der Input-Preisinflation, einen starken Start hingelegt“, sagte CEO Joe Hudson auf dem Aktionärstreffen. Mit Energie kennt man sich bei dem Unternehmen aus, dessen Geschichte 1825 damit begann, dass William Thirby den ersten Schacht eines Kohlebergwerks abteufen ließ. Die FTSE-250-Gesellschaft, die heute neben Ziegeln auch Betonelemente herstellt, be­treibt in großem Umfang Hedging. Man habe bereits Absicherungsgeschäfte für drei Viertel der für das zweite Halbjahr erforderlichen Mengen getätigt. Für das laufende Jahr habe man bereits mehr als ein Drittel abgesichert. Traditionell diskutieren die Baustoffhersteller Preiserhöhungen mit ihren Kunden am Jahresende, um sie im Auftaktquartal des Folgejahres umzusetzen.

Erhöhungen auch unterjährig

Seit dem vergangenen Jahr ist in der Branche viel von „dynamischer Preisgestaltung“ die Rede. Tatsächlich bekommen alle Ziegelhersteller die höheren Preise für Diesel, Gas und Strom zu spüren. Entsprechend groß ist die Bereitschaft, unterjährig an der Preisschraube zu drehen, zumal die Nachfrage weiterhin stark ist – zumindest erhält man diesen Eindruck, wenn man die Geschäftsausblicke von Hausbaugesellschaften wie Persimmon liest. Der Rivale Forterra tilgte alle Verpflichtungen, nur jährlich Preise zu verändern, aus seinen Verträgen und reduzierte die Frist für die Ankündigung von Erhöhungen von drei Monaten auf einen.

Aus Sicht des UBS-Analysten Gregor Kuglitsch wird dieses Jahr „ein Test für die Preismacht der britischen Ziegelbranche“. Bisher habe sie be­standen. Nach Preiserhöhungen im November und Februar wurde ein weiterer Aufschlag von rund 5% durchgesetzt. Damit sind die Preise seit Sommer des vergangenen Jahres um ein Viertel gestiegen. Tatsächlich würden sie nun regelmäßig angepasst, um ein bestimmtes Rentabilitätsniveau zu erreichen, so Kuglitsch. „Wir halten das für erreichbar, weil der Markt in Großbritannien derzeit extrem eng ist.“

Im vergangenen Jahr wurde aus Mangel an heimischen Kapazitäten gut ein Fünftel der verbauten Ziegel importiert. Das schirme die britischen Produzenten im Falle rückläufiger Volumina bis zu einem gewissen Grad ab.  Langfristig dürften sich auch die Bemühungen zur Verringerung des Treibhausgasausstoßes auszahlen. Ibstock hat die CO2-Intensität ihrer Produkte seit den 1970er Jahren um mehr als drei Fünftel reduziert. Man habe das 2018 gesetzte Ziel, sie um weitere 15 % pro Tonne zu drücken, vorzeitig erreicht, teilte das Unternehmen mit den Jahreszahlen mit. Bis 2040 will die Gesellschaft klimaneutral sein – unter den aktuellen Bedingungen ist die Motivation, schnell voranzukommen, noch größer geworden.