Autoindustrie

Mercedes-Benz vertraut auf Luxus

Die hohe Nachfrage, die Stärke, um Preise durchzusetzen, und die Kostendisziplin stimmen den Vorstand für dieses Jahr zuversichtlich. Das Ergebnis soll trotz höherer Rohstoffpreise in etwa stabil bleiben.

Mercedes-Benz vertraut auf Luxus

jh München

Mit dem weiteren Ausbau des Luxusgeschäfts will Mercedes-Benz das Ergebnis auf dem im vergangenen Jahr kräftig erhöhten Niveau halten. Auch angesichts des Halbleitermangels hätten die Topmodelle und die batterieelektrischen Autos weiterhin Priorität, sagte Finanzvorstand Harald Wilhelm in der Jahrespressekonferenz. Das Unternehmen erhöhe in diesem Jahr die Preise weiter und gebe nach wie vor weniger Rabatte. Für die um Sondereffekte bereinigte Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern (Ebit-Marge) strebt das Unternehmen im Pkw-Segment 11,5 bis 13 (i.V. 13,1)% an, im Segment der Transporter (Vans) 8 bis 10 (8,3)%. Im vierten Quartal 2021 war die Marge für Cars & Vans sogar auf 14,8% gestiegen.

Die Prognose eines stabilen Konzern-Ebit bezieht sich auf das Ergebnis des fortgeführten Geschäfts, also ohne das Nutzfahrzeuggeschäft, das seit dem 10. Dezember 2021 als eigenständiges Unternehmen börsennotiert ist. Ohne Daimler Truck hätte das Ebit im vergangenen Jahr rund 16 Mrd. Euro betragen.

Fast 50000 Euro je Auto

Für den Absatz und Umsatz in diesem Jahr erwartet der Vorstand einen leichten Anstieg. Der freie Cashflow im Industriegeschäft soll leicht sinken, da sich die Steuerzahlungen normalisierten. Im vergangenen Jahr war der Absatz um 5% zurückgegangen, der Umsatz im Segment Cars & Vans dennoch um 11% auf 109,6 Mrd. Euro gestiegen. Seit 2019 habe der durchschnittliche Umsatz je Fahrzeug um 26% auf 49800 Euro zugenommen. Die Fixkosten hätten sich in derselben Zeit um 16% verringert. Die damit gesenkte Gewinnschwelle verschaffe dem Unternehmen mehr Flexibilität, sagte der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius. Wilhelm ergänzte, der Vorteil eines dank der Kostendisziplin stark gesenkten Break-even habe sich im dritten Quartal gezeigt, als der Absatz unter 400000 Einheiten gesunken war. Im vierten Quartal waren es rund 500000.

In dieser Größenordnung liege der Absatz auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres, berichtete Wilhelm. Preisniveau und Produktmix seien nach wie vor günstig. Für Gegenwind sorgten die gestiegenen Rohmaterialpreise, vor allem für Stahl, und die Knappheit von Halbleitern. Der Finanzchef kündigte für das aktuelle Quartal positive Einmaleffekte auf das Ebit im Umfang von 900 Mill. Euro an. Er begründete dies mit dem Verkauf von Anteilen am Formel-1-Team von Mercedes (Preis und Bewertung) sowie Erlösen aus dem Verkauf von eigenen Autohäusern und Werkstätten.

Den Aktionären wird auf der Hauptversammlung am 29. April ein kräftiger Anstieg der Dividende auf 5,00 (1,35) Euro vorgeschlagen. Darin enthalten sind 0,70 Euro von der Daimler Truck AG, die von diesem Jahr an ihre Eigentümer selbst am Gewinn beteiligen will. Im vergangenen Jahr gab es unter anderem Kritik aus der Politik und von Nichtregierungsorganisationen an der Gewinnausschüttung, da das Kurzarbeitergeld dem Unternehmen 2020 Einsparungen von 700 Mill. Euro gebracht hatte.

Wegen der Produktionsunterbrechungen aufgrund des Halbleitermangels profitierte das Unternehmen auch im vergangenen Jahr vom Kurzarbeitergeld. „Der Umfang war aber deutlich geringer als 2020“, berichtete Wilhelm.

Was die Versorgung mit Chips angehe, verbessere sich die Transparenz über die Verfügbarkeit von Halbleitern. „Allerdings ist es aufgrund der weiterhin hohen Volatilität sowie einzelner Engpässe derzeit nicht möglich zu sagen, wann der Mangel beseitigt sein wird“, fügte Wilhelm hinzu. Erwartet werde eine Stabilisierung der Situation. Um künftig solche Lücken zu vermeiden, hat Mercedes-Benz nach Wilhelms Worten die Abstimmung mit den direkten Lieferanten sowie den Halbleiterlieferanten verstärkt. Als Ansatzpunkte nannte er konkretere Vereinbarungen über Liefermengen, den Aufbau eines Sicherheitsbestandes und mehrere Bezugsquellen. Die Zahl der fertigen Autos, die mit Chips nachgerüstet werden müssen, sei Ende des dritten Quartals am höchsten gewesen und nun deutlich niedriger, berichtete Källenius.

Wertberichtigt Seite 8

Mercedes-Benz Group
Konzernzahlen nach IFRS
in Mill. Euro20212020
Absatz (Mill. Stück)2,332,46
Umsatz 167971154 309
Cars & Vans109 64898576
 Mobility27 94127 699
Ebit 29 0696 603
Konzernergebnis23 3964009
Ergebnis je Aktie ( Euro) 21,503,39
Freier Cashflow*8 6068 259
Nettoliquidität*21 00517855
*) Industriegeschäft Börsen-Zeitung
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