Ölkonzerne

Shell-Rekordgewinn löst wütende Steuerdebatte aus

Shell hat 2022 so viel Gewinn gemacht wie noch nie, weil der krieg in der Ukraine den Gaspreis in die Höhe trieb. Aktionäre profitieren durch eine höhere Dividende und einen weiteren Aktienrückkauf.

Shell-Rekordgewinn löst wütende Steuerdebatte aus

Der britische Ölkonzern Shell hat im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn erwirtschaftet, weil der russische Angriff auf die Ukraine den Gaspreis in die Höhe trieb. Von den Flüssiggaslieferungen (LNG) in die EU, mit denen die Energieverknappung durch die Sanktionen gegen Russland abgemildert werden konnte, stammten der BBC zufolge 11 % von Shell. Der Branchenprimus ExxonMobil hatte diese Woche bereits mit dem höchsten Nettoergebnis in der westlichen Ölindus­trie für Aufsehen gesorgt.

Wie die FTSE-100-Gesellschaft nun mitteilte, sollen ihre Anteilseigner vom Unternehmenserfolg mit einer um 15 % auf 28,75 US-Cent erhöhten Dividende je Aktie profitieren. Hinzu kommt ein weiterer 4 Mrd. Dollar schwerer Aktienrückkauf, der bis zur Verkündung der Ergebnisse des laufenden Quartals abgearbeitet sein soll. Der Free Cashflow wurde für 2022 mit 46 (i.V. 40) Mrd. Dollar angegeben. Die Nettoverschuldung ging auf 45 (53) Mrd. Dollar zurück.

Angesichts steigender Energierechnungen für Privathaushalte lösten die Shell-Geschäftszahlen eine wütende Steuerdebatte aus. „Das schiere Ausmaß des Wohlstandstransfers von den Rechnungszahlern zu den Aktionären ist unentschuldbar und macht Regierungshandeln erforderlich“, sagte George Dibb, Chef des Centre for Economic Justice bei der linken Denkfabrik IPPR. „Kein Unternehmen sollte aus Putins illegaler Invasion der Ukraine derart unerhörte Gewinne schlagen“, empörte sich Ed Davey, der Führer der Liberaldemokraten. Der Labour-Politiker Ed Miliband forderte, die Branche stärker zu besteuern. Seine Partei würde davon absehen, den Preisdeckel für Energierechnungen privater Haushalte im April zu lüften. Es sei nur richtig, wenn Unternehmen, die unerwartete Gewinne durch den Krieg machten, ihren „fairen Beitrag“ leisteten.

Öl- und Gasfirmen wurden bereits vor der Übergewinnsteuer (Windfall Tax) mit einem heftigen Aufschlag auf die Körperschaftssteuer belegt. Nach der Erhöhung der von Rishi Sunak in seiner Zeit im Schatzamt eingeführten Windfall Tax durch seinen Nachfolger Jeremy Hunt liegt der Steuersatz für in Großbritannien erwirtschaftete Gewinne nun bei 75 %. Allerdings können Ausgaben für die Außerdienststellung von Nordsee-Ölplattformen damit verrechnet werden. Shell geht davon aus, für das abgelaufene Jahr 2,3 Mrd. Dollar für den EU-Energiekrisenbeitrag und die UK Energy Profits Levy aufbringen zu müssen. Insgesamt wurden weltweit 22 (9) Mrd. Dollar Steuern verbucht. Zu den Aktionären der britischen Ölkonzerne gehören traditionell Pensionsfonds. Hohe Dividenden kommen den Altersvorsorgeplänen zahlloser Beitragszahler zugute.

Bemerkenswert ist, dass Shell den bereinigten Gewinn in den letzten drei Monaten des Jahres trotz rückläufiger Öl- und Gaspreise von 9,45 Mrd. Dollar im dritten Quartal auf 9,81 Mrd. steigern konnte. Das Unternehmen schrieb das unter anderem dem LNG-Handel zu. Die Sparte Integrated Gas stach mit einem bereinigten Ergebnis von 5,97 (4,04) Mrd. Dollar heraus. Analysten hatten im Schnitt lediglich 3,8 Mrd. Dollar auf der Rechnung. Das Upstream-Geschäft (Exploration und Förderung) blieb mit seinem Ergebnis dagegen um gut ein Zehntel unter den Markterwartungen.

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