Nachhaltigkeit

Green Finance auf der Erfolgswelle

Green und Sustainable Finance schwimmt auf der Erfolgswelle. Gerade nachhaltigkeitsgebundene Darlehen zeigen ein exorbitantes Wachstum. Der Euro dominiert im Währungsbereich. Es folgt der Dollar.

Green Finance auf der Erfolgswelle

kjo Frankfurt

Das Volumen nachhaltiger Finanzierungen weltweit hat sich von 678 Mrd. Euro in den ersten neun Monaten um etwa 8% auf 735 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum dieses Jahres erhöht. Die Entwicklung ist vor allem auf die gegenwärtige Euro-Schwäche gegenüber anderen wichtigen Emissionswährungen zu­rückzuführen. Bei Kalkulation mit den Durchschnittskursen des Jahres 2021 hätte der Anstieg statt 57 Mrd. Euro lediglich 37 Mrd. Euro oder etwa 5% betragen. Das halten die Experten von Capmarcon in einer aktuellen Studie fest, die der Börsen-Zeitung vorab vorliegt. Capmarcon ist eine auf Unternehmensfinanzierungen spezialisierte Beratungsgesellschaft. Sie entwickelt Strategien zur Kapitalbeschaffung und Bilanzstrukturoptimierung und begleitet Klienten bei Finanzierungen. Unternehmen werden bei der nachhaltigen Kapitalbeschaffung, dem Green Financing, und beim Nachhaltigkeitsmanagement beraten.

Capmarcon hält fest, dass Green Financing darüber hinaus von der geradezu explosionsartigen Zunahme von sogenannten Sustainability-linked Loans belebt worden sei, die sich im genannten Zeitraum auf 122 Mrd. Euro mehr als verdreifacht hätten. Besonders Debüt-Emittenten hätten diesen Finanzierungsweg gewählt.

Auch Green Bonds seien stärker zur Mittelbeschaffung eingesetzt worden, während sich das Volumen der zur Verwendung in sozialen Projekten aufgenommenen Gelder in etwa halbiert habe. Die Realwirtschaft habe mit nachhaltigen Darlehen zum jüngsten Anstieg von Green Financing beigetragen. Auf Anleihen entfielen laut den Experten in diesem Jahr bislang 78 % des begebenen Green-Financing-Volumens, auf Kredite und Schuldscheindarlehen etwa 22 %. Vor wenigen Jahren habe dieser Anteil nur bei ca. 10 % gelegen. Die Entwicklung nachhaltiger Unternehmensfinanzierung habe sich im bisherigen Jahresverlauf regional sehr unterschiedlich entwickelt. Während sich das neu arrangierte Volumen während der ersten drei Quartale in Asien und Europa erhöht habe, seien die entsprechenden Begebungen in Nord- und auch Südamerika signifikant rückläufig gewesen, und zwar über alle nachhaltigen Finanzierungsarten. Vor allem für asiatische Adressen – besonders in den Sektoren (Energie-)Ver- und Entsorgung sowie Finanzdienstleistungen – sei erheblich mehr an Green Financing arrangiert worden: in den ersten neun Monaten 2022 rund 50% gegenüber der Vorjahresperiode. Hier hätten vor allem Begebungen von dezidiert grünen (Anstieg um 39%) und Sustainable-Finanzierungen (+92%) zugelegt.

China liegt erneut vorn

Größtes Emissionsland sei erneut China mit einem erneut sehr starken Green-Financing-Wachstum gewesen. Die entsprechenden Begebungen seien in den drei ersten Quartalen 2022 gegenüber dem Vorjahr um 93% auf 124 Mrd. Euro nach oben geschnellt. Zum zweitgrößten Emissionsland sei mit 81 Mrd. Euro (+48%) Deutschland avanciert, das damit erstmals Frankreich überholte, das Rang 3 erreicht habe (+13% auf 76 Mrd. Euro). Ebenfalls große Emittenten in Asien seien japanische Adressen, die von Januar bis September Green-Finance-Titel im Umfang von 18 Mrd. Euro begeben hätten (+40%). Der Emission von 735 Mrd. Euro standen laut Studie im gleichen Zeitraum Tilgungen in Höhe von 60 Mrd. Euro gegenüber. In der Folge habe sich das weltweit ausstehende Volumen an Green Financing auf 2,638 Bill. Euro Ende September 2022 erhöht.

Im bisherigen Jahresverlauf 2022 seien Euro und Dollar wichtigste Denominationswährung von Green Financing. Aufgrund der Euro-Schwäche sei der Anteil der europäischen Einheitswährung bei den Arrangements im Periodenvergleich um etwa drei Prozentpunkte auf 46,5% zurückgegangen. Gleichzeitig habe der Dollar an Bedeutung gewonnen, sein Anteil habe sich binnen zwölf Monaten um sieben Prozentpunkte auf 27,1% erhöht. Die starke Präsenz chinesischer Emittenten und Darlehensnehmer bei nachhaltigen Finanzierungen habe den Renminbi mittlerweile als drittstärkste Denominationswährung etabliert.

Staatliche Adressen einschließlich Förder- und Entwicklungsbanken weltweit hätten sich in den ersten neun Monaten 2022 deutlich schwächer gegenüber Vorjahr bei nachhaltigen Finanzierungen engagiert, das Volumen sei um 17% zurückgegangen. Gleichzeitig hätten Banken und andere Finanzdienstleister ihre Green-Finance-Begebungen um 33% auf 175 Mrd. Euro erhöht.

„Nominal stärker erhöhten Unternehmen aus der Realwirtschaft ihre Mittelaufnahmen zur nachhaltigen oder nachhaltigkeitsbezogenen Verwendung“, heißt es. Das Volumen habe 329 Mrd. Euro erreicht (+22%), wobei die deutlichsten Zuwächse auf die Sektoren Energie und Ver-/Entsorgung (+25 Mrd. Euro), Industrie (+21) und Dienstleistungen (+18) entfallen seien. In der Land-/Forstwirtschaft seien erstmals nennenswerte Green-Financing-Beträge ar­rangiert worden (8,5 Mrd. statt 2,4 Mrd. Euro). Hingegen sei das neu aufgenommene Volumen im Sektor Handel rückläufig (−10,5 Mrd. Euro).

Europa verzeichnete den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten 2022 einen nur leichten Anstieg der aufgelegten nachhaltigen Finanzierungen von 4% gegenüber Vorjahr. Dies habe im Wesentlichen an deutlich verringerten Emissionen seitens der Nationalstaaten und der EU-Kommission gelegen (−39%). Förder- und Entwicklungsbanken hätten ihr nachhaltiges Refinanzierungsvolumen hingegen erhöht, und zwar auf 51 Mrd. Euro gegenüber 34 Mrd. Euro im Vorjahr.

„Deutschland hat in diesem Jahr bis September erstmals Frankreich als größtes Emissionsland in Europa abgelöst. Frankreich wies in den drei ersten Quartalen deutlich niedrigere Zuwachsraten auf als üblich. Auch in den meisten anderen europäischen Ländern stieg das neue Green Financing. Allein in Spanien ging das arrangierte Volumen massiv zurück. Staat und der Bausektor finanzierten dort jüngst in wesentlich geringerem Umfang nachhaltig“, konstatieren die Experten. Das Green-Finance-Nettovolumen der drei ersten Quartale dieses Jahres habe 385,4 Mrd. Euro betragen, wodurch sich das ausstehende Volumen an Green Financing in Europa bis Ende September 2022 auf etwa 1,471 Bill. Euro erhöht habe.

Dollar folgt auf Euro

In Europa seien auf den Euro als Denominationswährung in den ersten neun Monaten 2022 etwa 81% des Volumens an nachhaltigen Finanzierungen entfallen. Weitere wichtige Währungen für nachhaltige Finanzierungen seien der Dollar (7,2%) und das britische Pfund (4,8%). Der aktuelle Anteil britischer Adressen von 8% am europäischen Green Financing zeige, dass Unternehmen in Großbritannien sehr häufig auch ausländische Währungen einsetzen würden. Das neu arrangierte Volumen nachhaltiger Finanzierungen von europäischen Finanzdienstleistern sowie Förder- und Entwicklungsbanken habe von Januar bis September 2022 um insgesamt 23 Mrd. Euro zugelegt.

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