Finanzmärkte

Turbulenzen an den Aktienmärkten

Die globalen Aktienmärkte stehen unter Druck, die Kryptowährungen befinden sich im freien Fall. Dagegen befindet sich der Goldpreis in einem nahezu schulbuchmäßigen Aufwärtstrend.

Turbulenzen an den Aktienmärkten

Von Martin Utschneider *)

Die globalen Aktienmärkte befinden sich in kurzfristigen Abwärtsmodi. Vor allem die etablierten Märkte in Europa und den USA zeigen akute Schwächetendenzen. Die asiatischen Indizes Hang Seng und Nikkei lassen ja bereits seit Längerem „Federn“. Erkennbar ansteigende Volumina bestätigen diese Kursrückgänge. Die Warn- und Schwächesignale im Dax 40 bleiben mehr denn je intakt. Das Momentum ist weiterhin negativ und der MACD driftet weiter nach unten ab. Die Slow-Stochastik fällt ebenfalls. Der deutsche Leitindex befindet sich weiterhin in einem intakten kurzfristigen Abwärtsmodus. Das Handelsvolumen war im bisherigen Wochenverlauf abermals höher als die Tage zuvor. Steigendes Volumen in einem intakten Abwärtsmodus ist als trendbestätigend zu werten. Summa summarum bestätigt sich damit weiterhin der nun eingeschlagene kurzfristige Abwärtsmodus. Nachdem die gleitenden Durchschnitte (38-, und 100-Tage-Linie) bereits unterhandelt wurden, traf es nun auch die 200-Tage-Linie. Der Dax 40 tendierte dann auch erwartungsgemäß aufgrund der vorherrschenden chart- und markttechnischen Konstellation kurzfristig noch mal in Richtung  14980 Punkte. Hier trennt sich nun wohl auch die „Spreu vom Weizen“. Die Supportmarke bei 14980 war insbesondere im Jahr 2021 mehrmals eine trendweisende Supportlinie. Die kurz- bis mittelfristigen Abwärtstendenzen sind weiterhin offensichtlich. Der angesprochene und intakte kurzfristige Abwärtsmodus wäre erst ab Kursen oberhalb der 16 000 nachhaltig verlassen. Optisch sowie chart- und markttechnisch ist das ein langer Weg.

Bodenbildung nicht in Sicht

Auch die US-Marktteilnehmer treten nun vermehrt als Verkäufer auf. Dies kann mitunter zu einer überverkauften Situation und Bodenbildung führen. Davon ist aber im Nasdaq 100 noch nichts zu spüren. Die chart- und markttechnische Grundtendenz ist weiterhin negativ („bärisch“). Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte. Der Nasdaq 100 wird seinen seit 4. Januar 2022 eingeschlagenen Negativtrend fortsetzen. Der kurzfristige Abwärtsmodus ist weiterhin intakt und verschärft sich zunehmend. Eine Bodenbildung ist hier nicht in Sicht. Mehr noch: Die markttechnischen Indikatoren drehen weiter nach unten ab. Der Trendfolgeindikator MACD befindet sich im freien Fall ohne kurzfristige Aussicht auf Stabilisierung. Die Slow-Stochastik sucht ebenfalls vergeblich nach Halt. Zudem ist das Momentum nicht nur stark angeschlagen, es ist vielmehr tiefrot.

Das Durchstoßen des Nadelöhrs bei 1785 bis 1795 US-Dollar wurde beim Gold nachhaltig bestätigt. Auch wenn es zuletzt etwas holprig schien. Die markttechnischen Indikatoren zeugen mittelfristig weiterhin von einer positiven Gemengelage. Der Trendfolgeindikator MACD weist eine trendbestätigende Tendenz aus, der RSI-Indikator ebenfalls. Die Slow-Stochastik zeigt sich ebenfalls freundlich. Mittelfristig gelten weiterhin die 2000 Dollar als Ziel. Nun kann es weiter „Zug um Zug“ nach oben gehen. Wichtige Widerstände auf dem Weg in Richtung 1962/2000 Dollar sind dabei sowohl charttechnische Hürden als auch diverse Fibonacci-Linien. Diese Treppenstufen verlaufen bei 1853, 1876 und 1962/2000 Dollar. Für den weiteren Jahresverlauf dürften die 2000 Dollar aber keineswegs das Ende der Fahnenstange sein. Die Projektionen lassen hier ein Kursziel um die 2500 Dollar zu. Nach einem etwas ernüchternden Gesamtjahr 2021 mit einer Performance von rund –5% seit Jahresbeginn dürfte das Gold in 2022 wieder deutlicher glänzen. Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich scheinen aktuell keine Utopie zu sein.

Bitcoin im freien Fall

Bitcoin (Dollar) befindet sich weiter im freien Fall. Nach dem Unterschreiten der Nackenlinie (40233 Dollar) der vom 4. August 2021 bis zum 19. Januar 2022 ausgebildeten Schulter-Kopf-Schulter-Formation (SKS) rückt nun der Supportbereich bei 28389 Dollar in den Fokus. Ein Halten dieser Marke wäre immens wichtig. Das Kursziel aus der SKS notiert bei 11562 Dollar. Für vorübergehende Entlastung könnte die Slow-Stochastik sorgen. Diese befindet sich nun im überverkauften Terrain, ohne allerdings ein Kaufsignal zu geben.

In dieselbe Kerbe schlägt auch Ethereum (Dollar). Die zweitwichtigste Kryptowährung befindet sich ebenfalls im freien Fall. Aktuell wurde hier sogar der seit Dezember 2022 manifestierte Downside-Modus nach unten verlassen. Damit hat sich der eh schon steile Abwärtsmodus sogar in eine spürbare Abwärtsdynamik gewandelt. Seitens der Markttechnik gibt es allerdings einen minimalen Hoffnungsschimmer. Die nun überverkaufte Slow-Stochastik könnte für zumindest vorübergehendes Durchatmen sorgen. Ein konkretes Kaufsignal wirft sie allerdings nicht ab. Die Trendfolgeindikatoren MACD und Ichimoku zeugen von tendenziell weiter schwachen Kursen. Das 14-Tage-Mo­mentum ist tiefrot.

Alles in allem bleiben die globalen Aktienmärkte weiter unter Druck. Die Turbulenzen könnten aufgrund der gestiegenen Volatilitäten weiter anhalten. Hoffnung macht dagegen der Goldpreis. Dieser befindet sich konträr zu Aktien und Kryptos in einem nahezu schulbuchmäßigem Aufwärtstrend. Mittelfristiges Ziel: 2000 Dollar.

*) Martin Utschneider ist Abteilungsdirektor und Leiter Technische Analyse bei der Privatbank Donner&Reuschel.

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