Fondsgesellschaft

Die DWS-Aktie ist ein Schnäppchen

Trotz hervorragender operativer Entwicklung hat der Aktienkurs der DWS seit ihrem Börsengang kaum zugelegt. Die Aktie überzeugt durch eine attraktive Dividende und eine günstige Bewertung.

Die DWS-Aktie ist ein Schnäppchen

Von Werner Rüppel, Frankfurt

Die bereits 1956 gegründete Fondsgesellschaft DWS gilt von jeher als bestes Pferd im Stall der Deutschen Bank. Dies dürfte sie auch heute noch sein, denn zum einen ist Assetmanagement ein ertragreiches und relativ stetig wachsendes Geschäft. Natürlich gibt es auch in der Vermögensverwaltung Schwankungen, doch diese sind viel geringer als im volatilen Investment Banking. Hinzu kommen zum anderen noch zwei Faktoren: Assetmanagement erfordert im Vergleich zu anderen Bankgeschäften relativ wenig Kapital, und die DWS ist als Fondsmanager immer noch eine der ersten Adressen in Deutschland und Europa.

Insbesondere für die Anlage in deutschen Aktien ist die DWS eine der besten Adressen, auch wenn ein Fondsmanager des Instituts bei Wirecard einmal richtig danebengriff; dies ist übrigens einigen Vermögensverwaltern anderer Häuser auch passiert. Richtig gut ist die DWS bei weltweiten Aktien, bei deutschen und europäischen Ne­benwerten und natürlich bei Mischfonds mit Risikobegrenzung mit dem Concept Kaldemorgen. Und für den Rentenbereich hat die DWS mit Frank Engels von Union Investment einen echten Top-Manager geholt.

Hinzu kommt, dass die DWS mit Xtrackers auch im wachstumsstarken passiven ETF-Geschäft in Europa eine führende Rolle einnimmt. 2021 sind die verwalteten Gelder des DWS-Segments „Passive“ um 33% auf 238 Mrd. Euro gewachsen. Natürlich ist das Passivgeschäft nicht so margenstark wie das aktive, doch wächst passiv eben schneller, und es lässt sich auch mit passiv sehr gut Geld verdienen, wie nicht zuletzt der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock zeigt.

Wichtig ist auch, dass die DWS über einen gut geölten Vertrieb verfügt. Denn es gilt für einen erfolgreichen Vermögensverwalter nicht nur Fonds gut zu managen, sondern diese auch an die Frau und den Mann zu bringen. Das kann die DWS wirklich gut, auch wenn bei den freien Vertrieben Flossbach von Storch mächtig zugelegt hat. Nicht zuletzt verfügt die DWS mit der DVAG über einen sehr leistungsfähigen Vertriebskanal.

Vor allem weil die Deutsche Bank teilweise Schwierigkeiten mit ihrer Kapitalausstattung hatte, hat sie die DWS im März 2018 an die Börse gebracht. Dabei hat das Institut aber mit einem Anteil von mehr als 75% die qualifizierte Mehrheit an der DWS Group behalten. Es wurde zudem das Konstrukt einer GmbH & Co. KGaA gewählt. Damit ist sichergestellt, dass die Deutsche Bank bei der DWS weiterhin das Sagen hat und keine andere Adresse die DWS übernehmen kann. Schließlich will die Deutsche Bank ihr bestes Pferd im Stall auf keinen Fall abgeben.

Der Ausgabepreis der DWS-Aktie lag im März 2018 bei 32,50 Euro. Zwischenzeitlich ist der Kurs des inzwischen im SDax vertretenen Titels zwar schon einmal über 40 Euro gestiegen, dann aber wieder zurückgefallen. Dabei haben auch Vorwürfe der ehemaligen DWS-Nachhaltigkeitsmanagerin Desiree Fixler, der Assetmanager verkünde überzogene ESG-Versprechen, den Kurs massiv belastet. Aktuell notiert die DWS-Aktie mit 33,72 Euro nur unwesentlich über dem Ausgabepreis und wird auf Basis eines Gewinn je Aktie von 3,90 Euro mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,6 bewertet. Nach der Hauptversammlung am 9. Juni wird die DWS an ihre Anteilseigner eine Dividende von 2 Euro je Aktie ausschütten, woraus sich eine Dividendenrendite von 5,9% errechnet. Und das in einem immer noch bestehenden Negativ- bzw. Nullzinsumfeld in Euroland, in dem immer mehr vermögende Sparer Verwahrentgelte für ihre Einlagen entrichten müssen.

Seit dem Börsengang hat die DWS ihre Dividende stetig von 1,37 Euro für das Geschäftsjahr 2017 bis auf die genannten 2 Euro für das Geschäftsjahr 2021 gesteigert. Insofern ist sie ein echter Dividendenaristokrat. Wenn auch die Kursentwicklung enttäuschte, so konnten Aktionäre, und natürlich auch die Mutter Deutsche Bank, mit ihren Anteilscheinen an dem Vermögensverwalter also ihren Beutel kräftig füllen. Und das dürfte auch in den kommenden Jahren so bleiben.

Im Gegensatz zur Kursentwicklung steht die hervorragende operative Bilanz der DWS. Das verwaltete Vermögen wurde von 700 Mrd. Euro Ende 2017 bis auf 928 Mrd. Euro Ende 2021 gesteigert. Die Nettomittelzuflüsse erreichten mit 26 Mrd. Euro 2019, 30 Mrd. Euro 2020 und 47,7 Mrd. Euro 2021 neue Rekorde. Gleichzeitig kletterte der bereinigte Vorsteuergewinn des Vermögensverwalters kräftig von 747 Mill. Euro 2017 über 795 Mill. Euro 2020 bis zum neuen Rekord von 1,14 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2021.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieses in der Praxis gezeigten Wachstums bei Mittelzuflüssen, Assets und Gewinn ist die DWS-Aktie mit ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 8,6 und einer Dividendenrendite von 5,9% alles in allem ein echtes Schnäppchen. Marktführer Blackrock wird zum Beispiel mit einem KGV von 19,3 bewertet und weist eine Dividendenrendite von 2,7% auf. Hingegen kommt Amundi auf ein KGV von 9,1 und auf eine Dividendenrendite von 6,7%. Offensichtlich billigt der Kapitalmarkt Blackrock eine wesentlich höhere Bewertung zu als der DWS oder Amundi.

Wachstumsbranche

Dass die DWS-Aktie aber ausgesprochen preiswert ist, dürfte noch andere Gründe haben. So hatten die coram publico in großen Wirtschaftsmedien von Frau Fixler vorgetragenen Vorwürfe zu einem Kurseinbruch der DWS-Aktie ge­führt, der noch nicht ganz aufgeholt ist. Die DWS hat insofern Lehren daraus gezogen, als sie keine eher problematischen „ESG-integrierten“ Vermögen in ihrem Geschäftsbericht ausweist. Doch muss die Gesellschaft vielleicht noch stärker in der Öffentlichkeit klarstellen, dass Nachhaltigkeit für sie einen hohen Stellenwert hat und dass sie keinerlei Greenwashing betreibt.

Zu berücksichtigen ist auch, dass 2021 ein Ausnahmejahr für die Branche und für die DWS war. 2022 wird viel schwieriger werden. Gleichwohl bleibt Assetmanagement langfristig eine echte Wachstumsbranche, in der die DWS hervorragend positioniert ist. Darüber hinaus wird auch ein Konstrukt wie eine GmbH & Co. KGaA am Kapitalmarkt nicht unbedingt gern gesehen. Üppige und steigende Dividenden aber schon, und da sind Investoren und Großaktionär Deutsche Bank bei der DWS-Aktie bestens versorgt.