Anlegersentiment

Stimmung der Fonds im Keller

Die Stimmung der Fonds hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Laut der globalen Fondsumfrage von Bank of America werden die wirtschaftlichen Aussichten so skeptisch eingeschätzt wie noch nie.

Stimmung der Fonds im Keller

ck Frankfurt

„The Full Capitula­tion“, überschreibt Bank of America ihre neueste Fondsmanagerumfrage. Die Erhebung, die in der Zeit vom 8. bis zum 15. Juli durchgeführt wurde, zeigt, dass die zutiefst verunsicherten Fonds das Handtuch geworfen haben. Allerdings sieht das Institut in dem extremen Pessimismus einen Kontraindikator, der für eine Rally von Aktien und Credits in den kommenden Wochen spricht.

Stagflation befürchtet

Das Ausmaß der Verunsicherung spiegelt sich in der Einschätzung der weltwirtschaftlichen Aussichten so­wie der Perspektiven der Unternehmensgewinne besonders deutlich wider. Mit einem schwächeren globalen Wachstum rechnen nun netto 79% (Saldo aus positiven und negativen Antworten in Prozent der Befragten) nach 73% im Juni. Das ist laut Bank of America die skeptischste seit Beginn der Erhebung (1995) gemessene Einschätzung der weltwirtschaftlichen Aussichten. Der Nettoanteil der Fonds, die auf Sicht von zwölf Monaten niedrigere Unternehmensgewinne erwarten, ist von Juni auf Juli um 7 Prozentpunkte auf 79% gestiegen, was dem höchsten bislang registrierten Anteil entspricht. Dementsprechend wünschen sich 50% der Fonds nach 44% im Vormonat, dass die Unternehmen ihre Verschuldung reduzieren. Die Anteile der Umfrageteilnehmer, die für Investitionen und Auskehrungen an die Anteilseigner plädieren, haben mit 29% bzw. 15% die niedrigsten Niveaus seit dem Juli 2020 und dem Mai 2021 erreicht. Mit einer Stagflation rechnen nun rekordhohe 90% der Fondsmanager nach 83% im Juni.

Inflation bereitet Sorgen

Entsprechend der pessimistischen Einschätzung der weltwirtschaftlichen Aussichten sind die Erwartungen an die Inflation und die Zinsen deutlich gesunken. So ist der Anteil der Fonds, die mit einer niedrigeren Inflation im kommenden Jahr rechnen, im Vergleich zum Juni um 4 Prozentpunkte auf 76% und damit auf den höchsten Stand seit dem Lehman-Desaster gestiegen. Die Erwartungen an die langfristigen Anleiherenditen sind auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren gesunken. Gleichwohl bereitet die Inflation den Fondsmanagern derzeit große Sorgen. Befragt nach den aktuell größten Risiken nannten 33% die Inflation. Sie nimmt nun unter den größten vermuteten Risiken den ersten Rang ein, nachdem sie im Juni mit 22% noch den dritten Platz belegt hat. Erneut an zweiter Stelle folgt mit 24% nach 25% eine globale Rezession. Falkenhafte Notenbanken, im Juni Spitzenreiter mit 32%, liegen nun mit 17% auf dem dritten Platz. Der Ukraine-Krieg und die Pandemie liegen mit 7% und 4% nur auf den Rängen 5 und 7.

Wenig verwunderlich haben die Fonds ihre Risiken deutlich heruntergefahren. Der Nettoanteil der Befragten, die angegeben haben, geringere Risiken als üblich zu fahren, ist auf ein Rekordhoch von 58% gestiegen und hat damit selbst die Höhen, die zur Zeit des Lehman-Desasters und des Corona-Crashs erreicht wurden, übertroffen. Ferner sind die Liquiditätsbestände deutlich erhöht worden. Der Durchschnitt der von den Fonds angegebenen Kassaquoten ist vom Juni auf den Juli von 5,6% auf 6,1% gestiegen, was dem höchsten Stand seit dem Oktober 2001 entspricht. Der Nettoanteil der Befragten, die in Aktien untergewichtet sind, ist im Vergleich zum Vormonat um 29 Prozentpunkte auf 44% hochgeschnellt. Das ist die stärkste seit dem Oktober 2008, dem Monat nach dem Lehman-Kollaps, regis­trierte Untergewichtung. In Anleihen sind nun 25% nach im Juni 46% untergewichtet, was der geringsten Untergewichtung der Assetklasse seit dem Juli 2020 entspricht. Auch bei den Rohstoffen machen sich die Rezessionssorgen deutlich bemerkbar. Hier sind nur noch 17% nach 27% übergewichtet, der niedrigste Anteil seit dem August 2021.

Unter den Aktienanlageregionen musste vor allem der Euroraum Federn lassen. Hier sind nun 35% nach 12% untergewichtet, die niedrigste Allokation seit dem Juni 2012. Auch Japan ist mit einem Anteil untergewichteter Fonds von 12% nach 3% in der Gunst der Fondsmanager stark gefallen, während die Allokation der Schwellenländer mit einem Anteil untergewichteter Fonds von 5% gleichgeblieben ist. Der Anteil der in den Vereinigten Staaten untergewichteten Fonds ist von 8% auf 5% gesunken.

Defensive Branchen gefragt

In sektoraler Hinsicht hatten vor allem Banken und die Ressourcensektoren das Nachsehen, während defensive Bereiche gefragt waren. So sind nun netto 9% der Befragten in der Bankenbranche untergewichtet, während vor Monatsfrist noch 7% übergewichtet waren. Damit waren die Fonds erstmals seit dem Oktober per saldo in dem Sektor untergewichtet. Noch stärker war der Einbruch der Allokation im Materials-Sektor. Hier sind nun 8% untergewichtet, nachdem im Juni noch 12% übergewichtet waren. Das entspricht der stärksten Untergewichtung seit dem Juli 2020. Ferner sind im Energiebereich nur noch 8% nach 21% übergewichtet. In der Gunst gestiegen sind Konsumgüter des alltäglichen Be­darfs. Der Anteil übergewichteter Fonds ist von 3% auf 16% hoch­geschnellt. Ferner hat sich die Übergewichtung in der Versorgerbranche auf 9% erhöht, während vor Mo­natsfrist noch per saldo 2% untergewichtet waren. Im Technologiesektor sind nun 8% nach 6% untergewichtet.

Als am stärksten überlaufene Wette gilt der Dollar (41% der Befragten). Dahinter folgen Öl bzw. Rohstoffe (23%), ESG-Assets (12%) und liquide Mittel (6%).

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