ESI

Verhaltene Stimmung in der Euro-Wirtschaft

Die Stimmung in der Euro-Wirtschaft hat sich im Februar überraschend leicht eingetrübt. Die Unternehmen wollen auch weniger Personal einstellen – und der Preisdruck lässt zwar leicht nach, bleibt aber auf hohem Niveau.

Verhaltene Stimmung in der Euro-Wirtschaft

ba Frankfurt

Die nachlassende Zuversicht bei den Dienstleistern und in der Industrie hat die Wirtschaftsstimmung im Euroraum überraschend gedämpft. Nach drei Anstiegen in Folge gab der Economic Sentiment Indicator (ESI) im Februar um 0,1 auf 99,7 Punkte nach (siehe Grafik). Zudem wurde der Vormonatswert um 0,1 Zähler nach unten revidiert. Ökonomen hatten hingegen erwartet, dass das Stimmungsbarometer erstmals seit Juni 2022 wieder über den langjährigen Schnitt von 100 Punkten klettert – konkret standen 101,0 Zähler in den Prognosen. Für die Wirtschaft der gesamten EU hingegen stagnierte der ESI bei 97,8 Punkten.

Gegenläufige Signale für die weitere konjunkturelle Entwicklung im gemeinsamen Währungsraum senden die Teilfragen zu den Beschäftigungs- und den Verkaufspreiserwartungen. Die Unternehmen wollen weniger Personal neu einstellen, der Preisdruck hat aber nachgelassen. So sank der Indikator der Beschäftigungserwartungen (EEI) um 0,3 auf 109,4 Punkte und liegt damit weiter deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten. Beim European Labour Market Barometer hingegen gab es eine Trendwende: Nach dem zweiten Anstieg in Folge liegt es nun bei 101,1 Punkten und damit über der neutralen 100er Marke. „Seit Jahresbeginn haben sich die Perspektiven für die europäischen Arbeitsmärkte klar verbessert“, erklärte dazu Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Die Euro-Hüter bei der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften sich hingegen für den abermals nachlassenden Preisdruck interessieren: Laut EU-Kommission sanken die Verkaufspreiserwartungen in der Indus­trie und im Baugewerbe deutlich, während die Brüsseler Behörde bei den Dienstleistern und im Einzelhandel Rückgänge „in geringerem Ausmaß“ verzeichnete. Die EZB stemmt sich seit der Zinswende im Sommer 2022 mit beispiellosen Zinserhöhungsschritten gegen die rekordhohe Inflation. EZB-Chefin Christine Lagarde und andere Notenbanker haben für die kommende Ratssitzung am 16. März einen erneuten Zinsschritt von 50 Basispunkten avisiert. Finanzmarktteilnehmer und Ökonomen hatten zuletzt gar deutlich mehr Zinserhöhungen im Jahresverlauf eingepreist und prognostiziert als zuvor. Laut Bloomberg wetten Geldmarkt-Händler nun, dass die EZB ihren Einlagensatz im Februar 2024 auf bis zu 3,9% anheben wird. Bislang galt der Zinsgipfel bei 3,5% im Juli als gesetzt.

Im Februar entwickelte sich die Stimmung in den einzelnen Wirtschaftsbereichen unterschiedlich: Insbesondere bei den Dienstleistern gab der Vertrauensindikator nach (−1,1 Punkte), aber auch in der Industrie (−0,7). Der Teilindex für die Baubranche legte 0,6 Punkte zu, der für den Einzelhandel um 0,4 Zähler. Den stärksten positiven Impuls lieferten die Konsumenten (+1,7). Trotz des fünften Anstiegs in Folge liegt das Barometer weiter unter seinem langjährigen Durchschnitt. „Die hohen Inflationsraten und realen Einkommensverluste lasten wie Blei auf der Stimmung der privaten Haushalte“, betonte Christian Melzer von der DekaBank. Nachdem die Energiekosten zuletzt etwas gesunken sind, hat sich auch die Inflation weiter abgeschwächt: Die Jahresteuerungsrate lag im Januar bei 8,6 % nach 9,2 % im Dezember und 10,1 % im November. Für Februar erwarten Ökonomen, dass Eurostat am Donnerstag eine Inflationsrate von 8,0 % veröffentlichen wird, während die Kernrate bei 5,3 % verharren dürfte.

Unter den größten Euro-Volkswirtschaften ergibt sich ebenfalls ein uneinheitliches Bild: Während der ESI für Spanien (−2,0) und Frankreich (−1,5), nachgab, stieg er für die Niederlande um +2,9. Für Deutschland meldet die EU-Kommission +0,1 Punkte. Der ESI für Italien blieb unverändert. Die Stimmungsbarometer des Statistikamts Istat ergaben für Februar eine bessere Laune bei Italiens Verbrauchern, wohingegen die Unternehmensstimmung stagnierte.