Italien

KKR bietet für Festnetzgeschäft von TIM

Der US-Finanzinvestor KKR hat eine Offerte für das Festnetzgeschäft von Telecom Italia vorgelegt. Angeblich werden 20 Mrd. Euro geboten.

KKR bietet für Festnetzgeschäft von TIM

Der US-Finanzinvestor KKR hat ein unverbindliches Angebot für das Netzwerk von Telecom Italia (TIM) vorgelegt. Nach Berichten in italienischen Medien bieten die Amerikaner etwa 20 Mrd. Euro. Der Investor, der im November 2021 eine Offerte über 30 Mrd. Euro für das gesamte Unternehmen vorgelegt hatte – die aber von TIM zurückgewiesen worden war –, setzt mit seinem Vorgehen die Regierung in Rom stark unter Druck. Die Aktie reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung. Im Handelsverlauf tendierte das Papier 8,5% fester.

Italiens Regierung versucht seit vielen Monaten, das Festnetz unter staatliche Kontrolle zu bringen. Die mehrheitlich staatliche Förderbank Cassa Depositi e Prestiti (CDP) arbeitet angeblich an einem Angebot, das zwischen 17 Mrd. und 19 Mrd. Euro liegen soll. Der französische Großaktionär Vivendi, der mit etwa 24% an TIM beteiligt ist, hält einen solchen Betrag jedoch für zu niedrig und fordert rund 30 Mrd. Euro. Die Gespräche kamen nicht voran, Vivendi zog sich aus dem Verwaltungsrat zurück. Auch KKR ist mit ihrem Angebot weit von den Vorstellungen Vivendis entfernt. Bisher war man davon ausgegangen, dass sich KKR mit einem Minderheitsanteil an einem Angebot der CDP beteiligt. Offenbar hat es aber bei den Amerikanern, die bereits mit 37,5% am Sekundärnetz von TIM beteiligt sind, einen Sinneswandel gegeben. Denn eine CDP-Übernahme wäre nicht nur finanziell schwer zu stemmen für die Staatsbank. Es gäbe auch kartellrechtliche Probleme. In Italien wird nicht ausgeschlossen, dass KKR einen italienischen Partner wie die mehrheitlich vom Staat kontrollierte Post mit ins Boot nehmen könnte.

Analysten glauben, dass sich der blockierte Prozess der Ausgliederung des Netzes nun beschleunigen könnte. Die Experten von Equita hoben ihre Empfehlung für das Papier auf „Kaufen“ an.

Der TIM-Verwaltungsrat diskutierte das KKR-Angebot. Das Unternehmen will am 14. Februar einen überarbeiteten Strategieplan vorlegen. Italiens Industrieministerium erklärte, das Angebot „aufmerksam“ zu verfolgen. Rom will vor allem die Beschäftigung bei TIM und die Sicherheit der Infrastruktur sichern. Die Regierung kann die Offerte über ein Vetorecht auskontern.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.