Flughafenbetreiber

Reisewelle macht Fraport Mut

Die überraschend heftige Reisewelle dieses Sommers macht Fraport zuversichtlicher fürs Gesamtjahr. Der Flughafenbetreiber rechnet nun mit bis zu 50 Millionen Passagieren am Hauptstandort Frankfurt.

Reisewelle macht Fraport Mut

hei Frankfurt

Fraport zeigt sich nach dem ersten Halbjahr klar erholt von den Auswirkungen der Pandemie und wird fürs Gesamtjahr im Hinblick auf das Passagieraufkommen am wichtigsten Rhein-Main-Flughafen optimistischer. Anstelle von bisher bis zu 46 Millionen Reisenden rechnet der Flughafenbetreiber nun mit bis zu 50 Millionen. Infolgedessen hebt Fraport auch die Umsatzerwartungen und die operative Ergebnisprognose leicht an. Das Ebitda soll nun bei bis zu 970 Mill. Euro landen. Beim Konzernergebnis wird aufgrund von Einmalfaktoren mit bis zu 100 Mill. Euro gerechnet, allerdings ist gegebenenfalls auch nur ein ausgeglichenes Resultat zu erwarten. Der Stellenaufbau bei den Bodendiensten erhöht die Personalkosten in diesem Jahr um rund 50 Mill. Euro. Das Sparziel von 300 Mill. Euro im Jahr im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 müsse wegen der „Qualitätsprobleme“ der Bodendienste auf 250 Mill. Euro gesenkt werden, erklärte Fraport-Finanzchef Matthias Zieschang bei einer Analystenkonferenz.

Angesichts von Flugchaos, Wartezeiten und Gepäckverlusten erklärte Konzernchef Stefan Schulte, man sei noch weit von den eigenen Qualitätsanforderungen entfernt. Die ergriffenen Maßnahmen hätten aber gewirkt und zu einem „im Großen und Ganzen“ stabilen und geregelten Betrieb geführt, so Schulte.

Alte Stärke

Im zweiten Quartal konnte der Konzern, der mit einem rigiden Sparkurs durch die Krise gesteuert wurde, operativ schon fast wieder an die alte Ertragsstärke anknüpfen. Bereinigt um die Devestition von Xi’an tat sich beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nur eine Lücke von 30 Mill. Euro auf, berichtet der Vorstand. Erreicht wurden rund 90% des Vorkrisenniveaus. Tatsächlich kletterte die Kennziffer gegenüber 2019 wegen des Ausstiegs in Xi’an um 9% auf 338 Mill. Euro.

Der Umsatz fiel mit 813 Mill. Euro 4% niedriger aus. Allerdings lag das Passagieraufkommen im Quartal noch rund 30% unter dem Vorkrisenvergleich. Teilweise lag die Zahl der Reisenden zwar bei 80% der entsprechenden Monate von 2019, allerdings wurde das Volumen im Juli durch Kapazitätsengpässe, Flugausfälle und Streiks getrübt. Für den restlichen Sommer geht Fraport in Frankfurt nun von 70 bis 75% des Passagieraufkommens von 2019 aus.

Der Ausblick wurde von den Anlegern positiv aufgenommen. Die Fraport-Aktie setzte sich zeitweise an die MDax-Spitze, gab allerdings die Gewinne später teilweise wieder ab. Im Halbjahr kletterte das Ebitda trotz gestiegener Kosten um 22%, die Umsätze kamen sogar um 28% voran, geprägt von einem im Vergleich sehr schwachen ersten Halbjahr 2021.

Abschreibung belastet

Unterm Strich wurde das Ergebnis von der Abschreibung einer Darlehensforderung im Zusammenhang mit dem Engagement am Flughafen St. Petersburg mit 163 Mill. Euro belastet. Deshalb entstand im Halbjahr ein Fehlbetrag von 53 Mill. Euro. Der operative Cashflow verbesserte sich um rund 380 Mill. Euro auf 185 Mill. Euro. Allerdings war der freie Mittelzufluss dennoch mit 358 Mill. Euro deutlich negativ. Zu verdauen waren unter anderem Ausgaben für die Konzession in Antalya sowie weitere Investitionen in den Bau des Terminal 3 in Frankfurt. Die Nettoverschuldung kletterte nochmals von 6,37 Mrd. auf 7 Mrd. Euro. Der Vorstand weist daraufhin, dass der operative Cashflow im zweiten Quartal bereits wieder bei 77% des Vorkrisenniveaus gelandet sei.

Fraport hebt hervor, dass die internationalen Umsätze im zweiten Quartal das Niveau von 2019 sogar schon wieder leicht übertroffen hätten. Dazu trug insbesondere der lebhafte Touristikverkehr nach Griechenland und in die Türkei bei, von dem der Flughafenbetreiber pro­fitiert.

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