Einkaufsmanagerindex

Euro-Wirtschaft taucht ab

Die deutlich gestiegenen Energiepreise, die drohende Energiekrise, Lieferkettenstress und kaufunfreudigere Verbraucher bremsen die Euro-Wirtschaft im Juli aus. Die Ergebnisse der Einkaufsmanagerumfrage lassen noch Schlimmeres erwarten.

Euro-Wirtschaft taucht ab

ba Frankfurt

Energie-, Versorgungs- und Inflationsängste: Dieser Dreiklang hat die Euro-Wirtschaft im Juli erstmals seit Februar 2021 wieder auf Schrumpfungskurs geschickt. Der von S&P Global erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) Composite, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, fiel unerwartet kräftig um 2,6 auf 49,4 Punkte (siehe Grafik) und liegt damit unter der Kontraktionsschwelle – Werte unterhalb von 50 Zählern signalisieren wirtschaftliche Schrumpfung. Ökonomen hatten einen Wert von 51,0 Zählern erwartet und werteten die Daten als Vorbote von noch Schlimmerem.

Für Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global, signalisieren die vorläufigen Umfrageergebnisse einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 0,1% auf Quartalsbasis im dritten Quartal. „Die stark rückläufigen Neuaufträge, sinkende Auftragsbestände und die sich eintrübenden Geschäftsaussichten deuten darauf hin, dass sich der Abwärtstrend im Laufe des Sommers weiterbeschleunigen wird“, mahnte Williamson.

Am besorgniserregendsten sei die Notlage des Industriesektors. Der Indikator rutschte um 2,5 auf 49,6 Punkte. Wegen der schwächer als erwartet ausgefallenen Absatzzahlen hätten die Bestände an Fertigwaren so rasant zugelegt wie nie. Da sich viele Unternehmen wegen des hohen Preisniveaus an die schwächere Nachfrage anpassen, erwartet Williamson hier eine rückläufige Produktion. Im Juli haben nun aber auch die Dienstleister ihren Schwung verloren: Deren Wachstum stagnierte nahezu – der Indikator sank um 2,4 auf 50,6 Punkte –, da die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Sorgen über die Wachstumsaussichten auf die Kunden „wohl eine abschreckende Wirkung“ hatten, wie Williamson erklärte. Als Lichtblick be­zeichnete er die erneut deutliche Abschwächung des Inflationsdrucks, der sich in den Indizes zu Einkaufs- und Verkaufspreisen zeigte. Dies dürfte sich wiederum in einer niedrigeren Verbraucherpreisinflation niederschlagen. Nachdem diese sich mit derzeit 8,6% jedoch noch immer auf einem höheren Niveau als je zuvor vor der Pandemie bewegen, „stehen die Geldpolitiker vor der wenig be­neidenswerten Herausforderung, die Inflation einzudämmen und gleichzeitig eine harte Landung der Wirtschaft zu vermeiden“. Am Donnerstag hatte der Rat der Europäischen Zentralbank erstmals seit 2011 die Leitzinsen erhöht – und zwar un­erwartet kräftig um gleich 50 Basispunkte. Für Commerzbank-Ökonom Christoph Weil stärken die PMI-Daten „die Position der Tauben im EZB-Rat , die eher eine langsamere Straffung der Geldpolitik anstreben, zumal es Anzeichen dafür gibt, dass der Inflationsschub bald seinen Hochpunkt erreichen könnte“. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sieht bereits eine Rezession heranrauschen – die als reinigendes Gewitter aber nötig sein könnte. Dann könnten Angebot und Nachfrage wieder den Einklang finden.

Die Stimmungseintrübung zeigte sich auch auf Länderebene: So haben die Gesamtindizes für Deutschland (−2,4 auf 48,0 Punkte) und Frankreich (−1,9 auf 50,6 Zähler) nachgegeben. Für die noch nicht gemeldeten Länder, insbesondere Italien und Spanien, deuten sich sowohl bei den Dienstleistern als auch in der Industrie jeweils kräftige Rückgänge an.

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