Transferwise

Aus dem Fintech-Olymp an den Pranger

Der Transferwise-Gründer Kristo Käärmann hat neben seinem Ärger mit der britischen Steuerbehörde nun auch noch Ärger mit der Finanzaufsicht bekommen. Schlimmstenfalls droht ihm Berufsverbot.

Aus dem Fintech-Olymp an den Pranger

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Kristo Käärmann (41) hat sich nach einem kometenhaften Aufstieg durch seinen Umgang mit der Steuerpflicht an den Rand des Abgrunds manövriert. Zuerst stellte die britische Steuerbehörde HMRC den Gründer des auf grenzüberschreitende Überweisungen spezialisierten Fintech-Unternehmens Wise (zu­vor: Transferwise) an ihren Online-Pranger, weil er eine Steuerschuld von 720 495 Pfund aus dem Jahr 2017/18 nicht rechtzeitig beglichen hatte. Das brachte ihm eine Geldstrafe von um die 360 000 Pfund ein (vgl. BZ vom 28.9.2021). Nun schaltete sich die Finanzaufsicht FCA ein, die hohe Ansprüche an Führungskräfte der Finanzbranche stellt und ihn schlimmstenfalls mit Berufsverbot belegen könnte.

Der Board nehme die Sache „sehr ernst“, ließ sich Chairman David Wells zitieren. Man habe bereits im vergangenen Jahr von Käärmann verlangt, durch die Beauftragung von professionellen Steuerberatern Abhilfe zu schaffen. Der Board werde vollumfänglich mit der Financial Conduct Authority (FCA) zusammenarbeiten und Käärmann als CEO weiterhin unterstützen.

Verspätete Steuererklärung

Man wird sehen, ob die Finanzaufsicht den Chef eines Zahlungsabwicklers, der es nicht schafft, rechtzeitig eine Steuererklärung abzugeben, für eine Führungsrolle in der Finanzdienstleistungsbranche für geeignet hält. Falls nicht, bliebe ihm viel Zeit für Hobbys wie Kitesurfen und Motorradtouren durch Afrika.

Der Este, dessen Vermögen vom US-Magazin „Forbes“ auf 1,2 Mrd. Dollar geschätzt wird, gründete Transferwise 2011 mit seinem Freund Taavet Hinrikus, der damals noch für Skype tätig war. Auslöser war persönliche Betroffenheit, wie Käärmann einmal der BBC erzählte: Er arbeitete damals als Unternehmensberater in London und hatte einen Bonus von 10 000 Pfund erhalten, den er nach Estland überwies. Angekommen seien 500 Pfund weniger als von ihm erwartet, weil die Bank einen deutlich ungünstigeren Wechselkurs ansetzte.

Zu den ersten Investoren gehörten Richard Branson und Peter Thiel. Auch die Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz und der Vermögensverwalter Baillie Gifford stiegen ein. Mittlerweile ist Wise ein Großunternehmen und Käärmann und Hinrikus wurden die ersten Milliardäre Estlands. Im Juli 2021 ging Wise an die Londoner Börse. Dank einer dualen Aktienstruktur können Gründer und Investoren der ersten Stunde weiter die Richtung vorgeben. Das Unternehmen erreichte bei der Direktnotiz einen Börsenwert von knapp 8 Mrd. Pfund. Mittlerweile sind es allerdings nur noch 3,3 Mrd. Pfund.

Unterdessen gab das Unternehmen seine Geschäftszahlen für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr bekannt. Demnach stieg der Umsatz auf 560 (i.V. 421) Mill. Pfund. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 32,9 (30,9) Mill. Pfund. Das Volumen der abgewickelten Zahlungen sei um zwei Fünftel auf 76 Mrd. Pfund angeschwollen. Man habe den 13 Millionen Kunden nach eigener Schätzung geholfen, mehr als 1 Mrd. Pfund an Gebühren einzusparen. „Aber das bleibt für Wise immer noch lediglich der Anfang“, ließ sich Käärmann zitieren. „Heute wird weiterhin Millionen von Menschen und Unternehmen von Banken und anderen Anbietern zu viel berechnet und schlechter Service geboten.“ Man werde weiter in die eigene Infrastruktur und neue Features investieren, um weltweit noch mehr von ihnen erreichen zu können.

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