Nach FTX-Crash

Fed warnt Banken vor Krypto-Risiken

Laut US-Regulatoren ist das Halten von Cyberdevisen „nicht mit sicheren Banking-Praktiken“ vereinbar. Vor dem FTX-Crash hatte sich eine wachsende Zahl an US-Banken ins Digital-Assets-Segment vorgewagt.

Fed warnt Banken vor Krypto-Risiken

xaw Frankfurt

Eine Gruppe mächtiger US-Regulatoren warnt Finanzinstitute vor den Risiken eines Engagements am Kryptomarkt. Das Begeben und das Halten von Cyberdevisen seien „höchstwahrscheinlich nicht mit sicheren und soliden Banking-Praktiken zu vereinbaren“, heißt es in einem gemeinsamen Statement der Federal Reserve, des staatlichen Einlagensicherungsfonds FDIC sowie des für die Überwachung des nationalen Kreditwesens zuständigen Office of the Comptroller of the Currency. Es sei wichtig, dass Gefahren mit Bezug zum Digital-Assets-Sektor, die „nicht gemildert oder kontrolliert werden“ könnten, nicht auf das Bankensystem übergriffen.

Die Regulatoren verweisen dabei unter anderem auf die hohe Marktvolatilität, ein schwaches Risikomanagement bei Kryptofirmen sowie betrügerische Praktiken im Segment. Ihre Warnungen folgen auf den Kollaps der Handelsplattform FTX, deren Gründer Sam Bankman-Fried sich in einem strafrechtlichen Verfahren wegen Wertpapierbetrugs verantworten muss. Die Kryptobörse stellte im November einen Insolvenzantrag, nachdem bei ihr ein Bilanzloch von bis zu 8 Mrd. Dollar offenbar geworden war. Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft Bankman-Fried vor, Kundengelder von FTX missbraucht zu haben, um sein Trading-Haus Alameda zu stützen.

Marktteilnehmer befürchten aufgrund der starken Vernetzung zwischen den beiden Firmen des 30-Jährigen und dem restlichen Krypto-Ökosystem eine tiefgreifende Pleitewelle in der Branche. So ist der Broker Genesis in Bedrängnis geraten, der Lender Blockfi und der Miner Core Scientific mussten im Nachgang des FTX-Zusammenbruchs bereits Insolvenz anmelden.

Kredithäuser wagen sich vor

Die Folgen des Crashs für das traditionelle Bankensystem halten sich bisher zwar in Grenzen, doch hatte sich zuvor eine wachsende Zahl von Finanzinstituten ins Kryptosegment vorgewagt. Im Oktober lancierte Bank of New York Mellon eine Verwahrplattform, die Kunden den Handel von Bitcoin und Ether ermöglicht. Die kalifornische Silvergate Capital hat sich indes von einem kleinen Kredithaus zu einer führenden Bank für Kryptoinvestoren und -plattformen entwickelt. Sie zählt wie die New Yorker Signature Bank zu den Finanzinstituten, bei denen FTX oder verwandte Gesellschaften Konten unterhielten. Signature arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Konzentration der Einlagen auf Kryptokunden zu reduzieren.

Gerade Geschäftsmodelle mit konzentriertem Krypto-Exposure sind den US-Regulatoren ein Dorn im Auge. Zudem warnen sie in ihrem Statement vor Risiken von Stable­coins – also Token, die Wertstabilität gewährleisten sollen und dazu an Assets wie den Dollar gekoppelt sind. Im Fall einer Kryptokrise seien diese anfällig für Bank Runs. Für Finanzinstitute, die Cashreserven für Stablecoin-Emittenten hielten, bestünde damit die Gefahr eines plötzlichen Einlagenrückgangs. Der zweitgrößte Stablecoin-Anbieter Circle Internet Financial teilte zuletzt mit, dass er mehr als 11 Mrd. Dollar bei Häusern wie Silvergate, BNY Mellon, Citizens Trust oder Customers Bank halte.

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