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KOMMENTAR - VOLKSWAGEN
Ist das jetzt der Durchbruch zur Bewältigung der Dieselabgas-Affäre von Volkswagen in den USA? Herrscht nun Klarheit über die absehbaren finanziellen Belastungen für den deutschen Autobauer, der in den Vereinigten Staaten als Nischenplayer im Grunde keine Rolle spielt? Sind die nun in Rede stehenden etwa 15 Mrd. Dollar im Rahmen der Vergleichsvereinbarungen zu schultern?

Nach Lektüre der sechsseitigen Presseerklärung des Wolfsburger Autokonzerns bleiben vor allem zwei Sätze hängen: 1. "Die heutige Bekanntgabe bewegt sich im Rahmen unserer bereits veröffentlichten Rückstellungen" und 2. "Die heute verkündeten Vereinbarungen stellen kein Schuldanerkenntnis von Volkswagen dar."

Der erste Hinweis soll den Investoren sagen, mit den beiseitegelegten 16,2 Mrd. Euro liegen wir noch immer richtig. Der zweite Hinweis zeigt, mit welch juristischen Fingerhakeleien gekämpft wurde, ohne dass bis jetzt etwas über die Verantwortlichkeiten für den Betrug mit der Schummelsoftware bekannt geworden ist.

Nun zum Rechenexempel. In den vergangenen Tagen wurde über eine Vergleichssumme von 10 Mrd. Dollar spekuliert. Nun ist es um die Hälfte mehr geworden. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht. Cashwirksam wird in diesem Jahr wohl recht wenig, da erste Zahlungen frühestens im Herbst beginnen.

Für den Rückkauf oder die Nachbesserung plus Entschädigung von mindestens 5 100 Dollar je Fahrzeug sind 10 Mrd. Dollar vorgesehen. Bis Mitte 2019 soll Volkswagen für dieses Programm Zeit haben, die Auflage gilt als erfüllt, wenn 85 % der Betroffenen erreicht werden, hieß es dazu aus Insiderkreisen.

Für Umweltprogramme zur Kompensation überhöhter Stickoxid-Emissionen wird VW 2,7 Mrd. Dollar zahlen - allerdings über drei Jahre. Und schließlich sollen die Wolfsburger 2 Mrd. Dollar in Ladestationen für vollelektrische Fahrzeuge investieren - über zehn Jahre. Es sieht also danach aus, dass der Konzern all diese Zahlungen über Jahre verteilen kann. Da lassen sich die 603 Mill. Dollar "on top" für 44 US-Bundesstaaten auch noch darstellen.

Auch wenn mit der Vergleichsvereinbarung, die noch einige Hürden zu nehmen hat, der größte finanzielle Brocken geklärt sein dürfte, wird sich Volkswagen wohl noch lange gerade in Deutschland und Europa in vielen juristischen Scharmützeln wiederfinden. Erstaunlich bleibt, wie es der Konzern seit "Dieselgate" hinbekommen hat, trotz alledem mit seinen Verkaufszahlen nicht abzustürzen.


Börsen-Zeitung, 29.06.2016, Autor Peter Olsen, Nummer 122, Seite 1, 342 Wörter

URL zum Artikel:
https://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2016122002&titel=Rechenexempel
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