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Redaktion

KOMMENTAR - HANDELSKONFLIKT
Am Tag nach einem Finanzmarktschock ist man immer ein bisschen schlauer. Chinas Zentralbank hat zum Wochenbeginn weltweiten Wirbel damit ausgelöst, dass sie die bislang eisern verteidigte Wechselkursmarke von 7 Yuan je Dollar aufgab. Die unerwartete Schwächung wird als Salve im Handelsstreit mit den USA verstanden und löste ernste Befürchtungen aus, dass der Yuan zur Waffe im Handelskrieg mutiert und ein mehr oder weniger kontrollierter Abwertungswettlauf ansteht.

In Sachen Kontrolle hat die People's Bank of China (PBOC) bereits am Dienstag ein klares Zeichen gesetzt. Der Referenzkurs zum Dollar wurde fester gelegt, und es wurden auch begleitende Maßnahmen getroffen, um auch den Hongkonger Offshoremarkt zu beruhigen. Das reichte zunächst einmal aus, um zu signalisieren, dass die PBOC und damit auch die politische Führung in Peking über ein währungspsychologisches Scharmützel hinaus nicht auf eine explizite Währungsabschwächung setzt.

Den USA ist dies freilich einerlei. Flugs wurde die Gunst der Stunde genutzt, um China offiziell als Währungsmanipulator zu brandmarken. Für Präsident Donald Trump ist seit jeher klar, dass China sich mit einem künstlich niedrigen Wechselkurs Handelsvorteile verschaffen will. US-Finanzminister Steven Mnuchin sieht es zwar etwas differenzierter, kommt aber nun zu dem Schluss, dass die PBOC mit der Aufgabe von Stützungsversuchen, die den Yuan bislang unter der Marke von 7 hielten, indirekt auch Währungsmanipulation betreibt. Dahinter steckt die Logik, dass jedwede Abschwächung gegenüber dem Dollar schon einen Verstoß darstellt.

Chinas Zentralbank wehrt sich entrüstet gegen das neue Etikett und kann gute Gründe dafür anbringen, dass man in der Tat keine handelspolitisch motivierte Wechselkursmanipulation betreibt. Wichtiger als währungspolitische Wortgefechte aber ist die Erkenntnis, dass der kurzzeitig zugelassene Fall des Yuan nur eine politisch verordnete Drohgebärde ist. Eine sehr kräftige Abwertung wird man in Peking sehr wohl zu verhindern wissen. Sie kann die Exporte zwar vitalisieren, aber längst nicht die konjunkturellen Beeinträchtigungen durch den Handelsstreit ausgleichen. Hinzu kommen weitere negative Effekte, wie etwa teurere Rohstoffimporte oder die Gefahr eines angeheizten Kapitalabflusses. China versucht sich im Konflikt mit den USA über eine größere Fluktuationsbreite des Yuan zu emanzipieren, das heißt aber noch lange nicht, dass der Yuan von der Leine gelassen wird.


Börsen-Zeitung, 07.08.2019, Autor Norbert Hellmann, Nummer 149, Seite 1, 341 Wörter

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